SPOTLIGHT: BANDCAMP

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Wird ggf. bald ungemütlich im Bandcamp. / Foto: Unsplash

Wenn wir an Bandcamp denken, sind es zuerst persönliche Flashbacks die uns in den Kopf kommen: In den Zeiten vor iTunes, Aggregatoren, Spotify und Co. war das amerikanische Startup die erste Plattform, die hürdenlos unsere Musik aufgenommen hat und uns erste Verkäufe auf einem digitalen Vertriebsweg gebracht hat.

Bandcamp hat vor allem schon immer ganz viel richtig gemacht. Jeder kann kostenlos und schnell eine Bandcamp-Seite anlegen, die sich komfortabel customizen lässt. 80-85% der Erlöse werden an die Künstler und Labels ausgeschüttet. Es wird täglich direkt auf Paypal Accounts ausgeschüttet. Wirklich tolle, aufwendige und extrem geschmackvoll ausgewählte Editorial-Inhalte geben famose Musikempfehlungen (Bandcamp Daily – jeden Tag auf der Startseite, Newsletter, etc). Sehr einfach und mit einem stabilen System Downloadcodes erstellen. Der Künstler kann den Preis selbst festlegen. Vielleicht am wichtigsten: Bandcamp hat mit Pay-what-you-want ein unglaublich sinnvolles Preissystem etabliert. Und weil es nicht genug ist an Qualität, Service, Kreativität und Freiheit: Der Kunde kann die Musik in einem Format seiner Wahl herunterladen, bis hin zu loss-less WAV-Files.

Bandcamp schlägt mit diesen Features und Alleinstellungsmerkmalen alle Konkurrenten um Längen. Zzgl. Coolness. Das geht so weit, dass man Teil dieses Teams sein will, wenn man sich auf der About-Page von Bandcamp das Teamfoto anschaut. Die New York Times hat vollkommen recht, wenn sie von “one of the greatest underground-culture bazaars of our time” spricht.

Bandcamp hat nach eigenen Angaben in den letzten 30 Tagen 7 Millionen Euro Umsatz gemacht, rechnet man das sehr wohlwollend hoch, entsteht ein Volumen von aktuell knapp 100 Millionen pro Jahr. Klingt viel? Spotify wird das Jahr 2018 vermutlich mit deutlich über 5 Milliarden Umsatz abschließen. Das ist 50mal so viel. Die Schere wird 2019 weiter aufgehen. Während Bandcamp sanft organisch wächst, wird Spotify eher aggressiv den Umsatz nach vorn peitschen. Rechnet man die Umsätze aller weiteren starken Marktteilnehmer hinzu, verschwindet der Marktanteil von Bandcamp im Promillebereich – mit wenig Luft nach oben.

Denn: Schaut man sich die Ausrichtung der Firma genauer an, entdeckt man ein schwerwiegendes Problem: Bandcamp steht weiterhin für: Download. Ein Konsumverhalten, das an sich und im Kern von disruptiven Technologien wie Streaming angegriffen wird und massiv schrumpft. Auch die Möglichkeit des Streamens in der App scheint nichts an Markenkern und Ausrichtung getan zu haben. Stichproben bei befreundeten Labels zeigen, dass die ehemals stabilen Paid-Download-Erlöse in den letzten Jahren bis zu 70% eingebrochen sind. Ein Beleg, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch der Bandcamp-Musik-Nerd zum Spotify Abo (+Vinyl) überschwenkt?

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