SPOTLIGHT: MUSIKINDUSTRIE IN ZAHLEN

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In Szene gesetzt: Unser Taschenrechner

Jedes Jahr erscheint mit “Musikindustrie in Zahlen” eine Art Branchenreport des BVMI. Der Bundesverband der Musikindustrie e.V. betreibt u.a. die Phononet-Plattform, verleiht die Gold & Platin Awards und auch die Offiziellen Deutschen Charts werden im Auftrag des BVMI erhoben. Die wissen also Bescheid.

Wichtig fürs Verständnis ist der irreführende Titel: Mit “Musikindustrie in Zahlen” ist vielmehr “Labels in Zahlen” gemeint, da hier Verlage, Agenturen (egal ob Booking, PR, Management, etc) ausgeblendet werden und es tatsächlich nur um Zahlen zu “recorded music” geht, also physische Tonträger- und Streaming-, sowie Download-Erlöse in Deutschland.

Dieser Report wird dann Jahr für Jahr veröffentlicht und von der Musikwoche geteilt, aber von vorn bis hinten durchlesen, werden ihn wahrscheinlich die wenigsten. Wir haben das geschafft und haben Zahlen gefunden, die wirklich interessant sind, mal ein bisschen gerechnet und festgestellt, dass wir offensichtlich einen anderen Taschenrechner haben als der BVMI.

Die Marktgröße

In Deutschland wurden 2018 mit recorded music 1.5 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist ein Minus von 0.4% im Vergleich zum Vorjahr  – weil die Zuwächse des Streamings nicht reichen um die Umsatzeinbrüche der CD zu kompensieren. Das sind zudem immer noch 1 Milliarde (!) weniger als zum Allzeithoch 1997. Wir haben es also mit einer Branche zu tun, die vor geraumer Zeit um 40% eingebrochen ist und auf dem Level beständig stagniert (oder weiter schrumpft.) Im BVMI Report heißt das dann: “Deutschlands Musikindustrie bleibt in der digitalen Umbruchphase weiter stabil auf Kurs.” Ja, klar.

Just to make things clear: 1.5 Milliarden Euro sind viel Geld, aber auch hier lohnt ein Blick auf die Relation: Wären alle Labels in Deutschland – inklusive Majors – eine einzige Firma mit 1.5 Milliarden Euro Umsatz, so würde sie es kaum in die Top 500 der größten Firmen in Deutschland schaffen und und nur knapp vor Zooplus, einem Online-Shop für Haustierbedarf,  landen, der 2018 1.3 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat (und jährlich um 20% wächst). Zeit zum Feiern wird auch dieses Jahr auf dem Reeperbahnfestival wieder reichlich sein.

Die Masse

Veröffentlichte digitale Singles 2018: 176.000. Auf physischen Tonträgern in Deutschland veröffentlichte Alben: 20.000. Aktuell im Handel verfügbare Alben: Über 200.000. Low Budget High Spirit hofft, dass du weisst, was ein USP ist.

Meine Mutti hat jetzt Spotify

Jedem der dachte, dass die Deutschen so träge sind, dass die Cash Cow CD noch ewig durchhält, sei gesagt: Nein. Den Klassikmarkt trifft es am härtesten, dabei war man sich da doch wegen der “alten” Zielgruppe so sicher: Um minus 24% bricht das Segment in Gänze ein. Es gibt Leute, die würden das als Dammbruch bezeichnen, beim BMVI freut man sich über 4% Zuwachs im Streaming von klassischer Musik und wähnt sich auf einem guten Weg. Ach da dann. 20% der Deutschen haben 2018 ein kostenpflichtiges Streaming-Abo genutzt. Und ja: Hier ist wirklich 20% der Gesamtbevölkerung gemeint, wir konnten es erst auch nicht glauben.

The Kids are alright

Der Markt für Musik für Kinder ist das einzige nennenswert wachsende Segment und steigt auf einen Umsatz von 157 Millionen Euro in 2018. Zum Vergleich: Klassik setzt im selben Zeitraum 42 Millionen um, ist also 4x kleiner. Treffen sich Die Drei ???, Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg zum Kaffee und hören Beethoven. Keine Pointe.

Kassetten!

2018 wurden in Deutschland 100.000 Kassetten verkauft, die ca. 1 Millionen Euro Umsatz generiert haben. Low Budget High Spirit fragt: Haben Die Drei ???, Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg damit zu tun?

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